Mit dem Thema „Ausbau der Beruflichen Gymnasien“ befassten sich sowohl der Kultur- und Schulausschuss als auch der Kreistag in ihren Sitzungen vom 21. November bzw. 9. Dezember 2011.

Nach der aktuellen Schulsituation gibt es in der Trägerschaft des Landkreises Ludwigsburg derzeit folgende sechs berufliche Schulen

  • das Berufliche Schulzentrum Bietigheim-Bissingen
  • die Carl-Schäfer-Schule Ludwigsburg
  • die Mathilde-Planck-Schule Ludwigsburg
  • die Robert-Franck-Schule Ludwigsburg
  • die Oskar-Walcker-Schule Ludwigsburg
  • die Erich-Bracher-Schule Kornwestheim-Pattonville


Die vier erstgenannten beruflichen Schulen haben bereits ein Gymnasium.
Berufliche Gymnasien sind ein Erfolgsmodell und werden von immer mehr Schülerinnen und Schülern besucht. Aus diesem Grund hat bereits die alte Landesregierung zum Schuljahr 2011/2012 landesweit 100 neue Klassen an beruflichen Gymnasien eröffnet. Auf den Kreis Ludwigsburg entfielen davon drei weitere Klassen am Wirtschaftsgymnasium des Beruflichen Schulzentrums Bietigheim-Bissingen, an der Carl-Schaefer-Schule in Ludwigsburg und an der Mathilde-Planck-Schule in Ludwigsburg.

In der Koalitionsvereinbarung der neuen Landesregierung ist festgelegt, dass die Beruflichen Gymnasien von zentraler Bedeutung sind und ein Rechtsanspruch für alle zugangsberechtigten Bewerber und Bewerberinnen geschaffen werden soll. Folglich wird der Ausbau der Beruflichen Gymnasien von der Landesregierung vorangetrieben und für das Schuljahr 2012/2013 sollen landesweit zusätzlich 50 Klassen geschaffen werden.

Von Seiten der Landkreisverwaltung wird nach Absprache mit allen Schulleitungen der Beruflichen Schulen der weitere Ausbau der Beruflichen Gymnasien im Landkreis grundsätzlich begrüßt und einvernehmlich vorgeschlagen, das Angebot des Landes zum Ausbau der Beruflichen Gymnasien anzunehmen. Das dafür zuständige Kultusministerium greift vier von sechs Anträgen der Schulen auf und schlägt vor, ab dem Schuljahr 2012/2013 folgenden Ausbau der in der Trägerschaft des Landkreises Ludwigsburg stehenden Beruflichen Gymnasien vorzunehmen:

  • Am Beruflichen Schulzentrum Bietigheim-Bissingen die Neueinrichtung eines 6jährigen Technischen Gymnasiums,
  • an der Oscar-Walcker-Schule Ludwigsburg die Neueinrichtung eines Technischen Gymnasiums mit einer Eingangsklasse und dem Profil „Umwelttechnik“,
  • an der Robert-Franck-Schule Ludwigsburg eine Eingangsklasse mit einem neuen Profil „Internationale Volks- und Betriebswirtschaftslehre (WGI)“ durch Substitution (d.h. Ersatz) einer Klasse des bestehenden Wirtschaftsgymnasiums,
  • an der Erich-Bracher-Schule Kornwestheim-Pattonville die Neueinrichtung eines Wirtschaftsgymnasiums (WG) mit einer Eingangsklasse,
  • an der Mathilde-Planck-Schule Ludwigsburg eine Eingangsklasse mit dem neuen Profil „Gesundheit und Pflege“ durch Substitution (Ersatz) einer Klasse des bestehenden ernährungswirtschaftlichen oder sozialwissenschaftlichen Gymnasiums.

Werden diese Anträge angenommen, haben alle sechs Beruflichen Schulen in der Trägerschaft des Landkreises Ludwigsburg auch ein Berufliches Gymnasium.

Die finanziellen Auswirkungen der Erweiterung der Beruflichen Gymnasien sind nach Ansicht der Kreisverwaltung gering, denn alle Schulleiter haben nach Prüfung bestätigt, dass aus heutiger Sicht die Raumkapazitäten ausreichen. Je nach Entwicklung der Schularten könnte jedoch mittelfristig gegebenenfalls noch Raumbedarf entstehen. Zu berücksichtigen ist dabei, dass in zwei Fällen die Substitution von Klassen vorgesehen ist und insoweit kein weiterer Raumbedarf entsteht. Für die sächlichen Kosten werden ausreichende Sachkostenbeiträge des Landes in Höhe von 925 € je Schüler und Schuljahr gewährt.

Die Fraktion der Freien Wähler unterstützt die Neueinrichtung der Beruflichen Gymnasien bzw. die Erweiterung der bestehenden Gymnasien um ein weiteres Profil, weil dieses Schulangebot dadurch noch attraktiver wird und die Schülerinnen und Schüler unseres Landkreises unter einem noch breiteren Bildungsangebot auswählen können.
Cornelius Bamberger, der Sprecher unserer Fraktion im Kultur- und Schulausschuss, gab in der Sitzung des Kreistags vom 09. Dezember 2011 folgende Stellungnahme ab:

Wir Freie Wähler sind für den Ausbau unserer Beruflichen Gymnasien, weil die Vielfalt des Bildungsangebots an unseren Schulen positiv ist, nicht nur inhaltlich, sondern auch räumlich, denn die Schulen sind im Kreis gut verteilt an verschiedenen Standorten.

Wir Freie Wähler sind auch deshalb dafür, weil hochwertig und fachspezifisch auf einen Beruf oder eine akademische Karriere vorbereitet wird und dadurch eine größere Zahl an Kindern einen höheren Abschluss erreichen kann.

Wir Freie Wähler bitten allerdings die Kreisverwaltung, mit den Ressourcen sparsam umzugehen, insbesondere auch mittelfristig aus folgenden Gründen einen zusätzlichen Raumbedarf zu vermeiden:

  • die Kommunen haben mit hohem Millionenaufwand Räume geschaffen, die angesichts des Rückgangs der Schülerzahlen ebenfalls ausgelastet bleiben sollen,
  • unsere Beruflichen Gymnasien sind nicht „Ventil“ für Schüler mit G8-Problemen, denn diese Probleme müssen vom Land abgestellt werden, insbesondere durch die bessere Ausgestaltung des Lehrplans. D.h., wir als Kreis sollten nur den Bedarf abdecken, der sich daraus ergibt, dass sich die Schülerschaft auf ein schon feststehendes Berufsziel vorbereiten will, aber keinen Reparaturbetrieb unterhalten, wobei wir uns darüber bewusst sind, dass vor allem durch die Abgänger der Werkrealschulen, die auf die Beruflichen Gymnasien drängen, sich schnell weiterer Bedarf ergeben kann.
  • Gleichwohl erwarten wir Freien Wähler, dass weiterhin enger Kontakt gehalten wird mit dem Staatlichen Schulamt und auf Veränderungen flexibel reagiert wird sowie die Mitgliederinnen und Mitglieder des Kultur- und Schulausschusses und des Kreistags frühzeitig informiert werden, wenn sich Bauausgaben abzeichnen sollten.

Um dies als Kreistagsgremium besser nachvollziehen und einschätzen zu können, regen auch wir an, auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung des Kultur- und Schulausschusses zur Bestandsanalyse den TOP „Schulentwicklungsplan mit Fortschreibung“ zu nehmen und darüber zu beraten, wie es mit unseren Berufsschulen weitergeht und der Nebel um einen möglichen Raumbedarf gelichtet werden kann.

Fazit: Wir freuen uns, dass an allen Berufsschulen des Landkreises nun Gymnasialzüge eingerichtet sind, weisen aber auch darauf hin, dass die vorhandenen Gymnasialzüge – z.B. im Bereich Wirtschaftsgymnasium – ausgelastet bleiben müssen.

Kreisrat Prof. Jürgen Hottmann
Mitglied im Kultur- und Schulausschuss


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